Figuig: Marokkanisches Territorium, zerstückelt durch Algerien

: Marokkanisches Territorium

Das Eindringen der algerischen Armee am 4. Februar 2026 in Ksar Ich in der Provinz Figuig ist nur das jüngste Ereignis in einer langen Reihe, die den Wert des Grenzabkommens von 1972 zwischen Marokko und Algerien in Frage stellt. Dieses Abkommen wird von der östlichen Nachbarnation regelmäßig angeführt, um Landnahmen in der Region zu rechtfertigen. Die Situation vor Ort ist für die betroffenen marokkanischen Bürger äußerst prekär.

 

Die jüngste Grenzverletzung in Ksar Ich

 

Nach dem Vorfall in El Arja im Jahr 2021 drangen algerische Soldaten am 4. Februar 2026 erneut ein, diesmal in das abgelegene Dorf Ksar Ich (Gemeinde Beni Guil). Sie setzten einseitig Grenzmarkierungen und untersagten den lokalen Landbesitzern, zu ihren seit Generationen bewirtschafteten Olivenhainen zu gelangen. Der internationale Beziehungen-Experte Ahmed Noureddine, selbst aus Figuig stammend, warnt, dass diese Provokationen die wenigen dort lebenden Familien zur Aufgabe ihres Landes zwingen und so eine schleichende “Zerstückelung” marokkanischen Territoriums bewirken könnten.

 

Ein langjähriges Muster der Provokation

 

Der Vorfall in Ksar Ich ist kein Einzelfall. Noureddine und die lokale Bevölkerung berichten von einem systematischen Muster algerischer Übergriffe über Jahrzehnte:

 

  • Gewalt und Einschüchterung: Soldaten bedrohen und berauben Zivilisten, sogar Jugendliche, etwa in den Erholungsgebieten am Oued Zouzfana.

  • Diebstahl und Entführungen: Wiederholter Diebstahl von Eigentum und Vieh sowie die Festnahme von Bauern, die in Algerien vor Gericht gestellt und abgeschoben werden.

  • Militärische Eskalation: Algerien führt regelmäßig Schießübungen in unmittelbarer Grenznähe durch, was als Kriegshandlung gewertet werden kann, und sperrt seinen Luftraum für marokkanische Zivilflugzeuge.

  • Tödliche Vorfälle: In der Vergangenheit kam es zu tödlichen Zwischenfällen, bei denen marokkanische Bürger von algerischen Soldaten getötet wurden.

Das Abkommen von 1972 und die Forderung nach einer Reaktion

 

Algerien beruft sich auf das Grenzabkommen von 1972, um seine Handlungen zu legitimieren. Noureddine argumentiert jedoch, dass dieses Abkommen durch frühere algerische Aktionen – wie die Schlacht von Amgala 1976 – bereits gebrochen wurde. Seiner Ansicht nach kann das Abkommen nicht nur teilweise angewendet werden. Wenn Algerien sich darauf berufe, müsse sich Marokko auf den vollständigen Text beziehen, der eine Revision der Grenzen unter bestimmten Umständen ermöglicht.
Der Experte fordert von Marokko eine zweigleisige Strategie:

 

  1. Kurzfristig: Eine physische und klare Abgrenzung der umstrittenen Zone, um den Zugang der Bürger zu ihrem Land zu schützen und weitere Übergriffe zu verhindern.

  2. Langfristig und diplomatisch: Die Einleitung von Verfahren bei den Vereinten Nationen und internationalen Organisationen, um Algerien für seine Verstöße gegen die marokkanische Souveränität und die Rechte der Bürger zur Rechenschaft zu ziehen.

Schlussfolgerung

Die Situation in Figuig verdeutlicht eine strategische Ausnutzung der marokkanischen Zurückhaltung. Während Marokko einen verheerenden Krieg vermeiden will, nutzt Algerien diese Position aus, um mit provokativen Landnahmen Fakten zu schaffen. Die fortgesetzten Verletzungen der Rechte einfacher Bürger und ihres Eigentums erfordern eine entschlossene Reaktion, um eine weitere gewaltsame Zerstückelung des Territoriums zu verhindern.